Corporate Social Responsibility – Strategisches Element der Organisationsentwicklung

So sehr die Stärkung globaler Werte – Gerechtigkeit, Solidarität, Menschenwürde, Nachhaltigkeit – für uns als Gesellschaft sinnvoll und moralisch erstrebenswert und für eine lebenswerte enkeltaugliche Zukunft notwendig sind; sie sind nicht automatisch für jeden Menschen positiv besetzt. Die kontinuierliche Verrohung der Diskussionen um die FridaysForFuture Bewegung zeigt dies sehr deutlich.

Um diese Werte zu stärken, sind Veränderungen notwendig. Und Veränderung aktiviert bei fast allen Menschen zuerst Ängste. Ob es Angst vor Macht- oder Besitzverlust ist oder vor Ablehnung oder der eigenen Unzulänglichkeit ist abhängig von den individuellen Werten des Menschen.

Interessanterweise sind eigene Werte dabei stark geprägt von der jeweils eingenommenen Rolle und den Werteankern, welche Gemeinschaften dabei setzen. So kann Verhalten und Haltung im familiären Umfeld ganz anders sein als bei ehrenamtlichem Engagement oder als Angestellter im Unternehmen.

In Hinblick auf Corporate Social Responsibility (CSR) ist dies für Unternehmen Chance und Herausforderung zugleich. Ein Unternehmen kann CSR als Minimalbericht gestalten, kaum Veränderung anstoßen und damit auch wenig Ängste aktivieren.

Oder es nutzt die Chance die globalen Werte positiv in die eigene Wertekultur zu integrieren – abteilungsübergreifende Solidarität für ein gemeinsames Ziel, nachhaltige Zufriedenheit beim Kunden oder gerechtere Entscheidungsverfahren mit besseren Ergebnissen, um nur ein paar Ideen zu nennen.

Gesetzgebung und gesellschaftliche Veränderung fordern CSR

Denn Organisationen kommen nicht umhin sich dieser Aufgabe zu stellen. Seit 2017 sind große Kapital- und Personengesellschaften mit kapitalmarktorientierung und mehr als 500 Beschäftigten, Finanzdienstleister und Versicherungen nach dem CSR-Richtlinien-Umsetzungsgesetz (CSR-RUG) dazu verpflichtet einen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen.

Mit der Agenda 2030 (Sustainable Development Goals) haben die vereinten Nationen zudem den Prozess angestoßen den weltweiten wirtschaftlichen Fortschritt im Einklang mit sozialer Gerechtigkeit und im Rahmen der ökologischen Grenzen der Erde zu gestalten.

FridaysForFuture zeigt die hohe Relevanz der Thematik für die Generation Z und alpha. Auch für kleinere Unternehmen empfiehlt sich daher eine Beschäftigung mit CSR, um auch in Zukunft junge Potentialträger für das Unternehmen gewinnen zu können.

Die Bandbreite der CSR Berichterstattung ist dabei groß, von der WIN Charta des Landes Baden-Württemberg, dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex bis hin zur Gemeinwohl-Bilanz. Alle Ansätze erfüllen – wissenschaftlich validiert – die EU-Berichtspflicht.

Gemeinwohl-Bilanz ist umfangreichstes Werkzeug für CSR

Doch nur die Gemeinwohl-Bilanz liefert daneben eine sehr ausführliche schriftliche Unterstützung für die Erstellung, mit konkrete Entwicklungsschritten und Bewertungskriterien. Aufgrund der standardisierten Vorgehensweise und Bewertung ist es zudem möglich das eigene Ergebnis mit Branchen- und Marktbegleitern zu benchmarken. Die Gemeinwohl-Bilanz ist damit aktuell das umfangreichste Werkzeug, um die Nachhaltigkeit unternehmerischen Handelns zu erfassen und auszurichten.

Über 400 Unternehmen haben sich bereits für diesen Weg entschieden, darunter so prominente Firmen wie die Sparda Bank München, Schachinger Logistik, Sonnentor, VAUDE oder elobau. Die Stadt München hat in ersten Versuchen die Gemeinwohl Bilanz in Ihre öffentlichen Ausschreibungen integriert. In unserer Landeshauptstatt Stuttgart sind die ersten vier kommunalen Einrichtungen auf dem Weg zu einer Gemeinwohlbilanz.

Der Aufwand zur Erstellung steigt mit Unternehmensgröße und Komplexität der Lieferkette und an vielen Stellen entsteht Diskussionsbedarf. Das schreckt erst einmal ab. Aber es ist so ähnlich wie einen über Jahrzehnte mit Sachen befüllten Dachboden vor einem Ausbau aufräumen zu müssen – am Ende sitzt man strahlend auf der Dachterrasse und fragt sich, warum man das nicht viel früher gemacht hat.

Ein kleines Beispiel: Ein Mittelständler mit 200 Mitarbeitern, der sich bislang flexiblen Arbeitszeiten und Homeoffice verwehrt hat, stellt im Rahmen der Bilanzierung fest, dass er mittlerweile über 300 individuelle Zeitmodelle, natürlich auch mit individuellen Homeoffice-Regelungen hat. In der Realität hat er also bereits flexible Arbeitszeiten, nur dass diese mit einem viel höheren administrativen Aufwand verwaltet werden. Konkrete Maßnahmen werden entwickelt, diesen Zustand in den kommenden Monaten zu verändern und die dadurch freiwerdende Zeit für Personalentwicklungsmaßnahmen zu nutzen – eine Win Win Situation für Beschäftige und Unternehmen.

Zumindest für gemeinwohl-bilanzierende Unternehmen ist Corporate Social Responsibility also mehr als ein Bericht. Es ist Grundlage für aktive organisatorische und menschliche Weiterentwicklung im Unternehmen.

Gemeinwohl-Bilanz und Integrales Kompetenzmodell

Für uns ein ausreichender Grund das Integrale Kompetenzmodell, welches wir bereits erfolgreich in der Organisationsentwicklung einsetzen, für die Gemeinwohlökonomie zu erweitern. Wir haben diese Erweiterung pragmatisch im Rahmen unserer eigenen Gemeinwohl-Bilanz erarbeitet und im November 2019 bei der 1. Wissenschaftlichen Konferenz zur Gemeinwohl-Ökonomie ECGPW-2019 in Bremen vor einem Fachpublikum aus Wissenschaft, Politik und Industrie vorgestellt – mit sehr positivem Feedback.

Jens Nitsche auf dem ECGPW-2019 in Bremen

Unsere Kernthesen in der Entwicklung des Modells waren dabei:

  • Die Implementierung des Gemeinwohl-Ökonomie Gedanken in eine bestehende Organisation ist eine große Veränderung.
  • Veränderung generiert Ängste beim Menschen.
  • Ängste generieren Widerstände in der Organisation.
  • Neben “Sinnhaftigkeit” liefert die Vision der Gemeinwohl-Ökonomie keine Antwort auf die oben genannten Thesen.

Schlimmer noch, für viele Menschen wirkt die Gemeinwohl-Ökonomie wie eine Utopie, weil das eigene unternehmerisches Umfeld so weit entfernt davon ist. Der Schritt zur Vision ist zu groß, als dass er machbar erscheint. Ein Zerteilen in kleine realisierbare Schritte ist damit erst einmal nicht möglich.

Dabei liefert die Bilanz für alle Unternehmen einen einfachen Einstieg, setzen die Bewertungskriterien doch immer beim „Branchenstandard“ als Nullpunkt an. Doch selbst die vorgeschlagenen Schritte sind oftmals noch so groß, dass Ängste, Widerstände oder schlichtweg kein Interesse für die Veränderung entstehen.

Das Integrale Modell ermöglicht dem Team sich über solche Wirkmechanismen auszutauschen, dabei Klarheit und Erkenntnisse zu gewinnen und Maßnahmen im Projekt zu entwickeln, welche proaktiv an den Ursachen der Hindernisse ansetzt, anstatt reaktiv über Change Management zu agieren.

Wie in unserem gezeigten Beispiel, in welchem die Geschäftsführung eines Unternehmens eine Beteiligung der Beschäftigten am Unternehmen ermöglichen möchte, dieses Angebot von Seiten der Beschäftigten aber gar nicht als attraktiv angesehen wird.

Beispiel GWÖ im Integralen Modell

Bei der Arbeit mit dem Modell wurde deutlich, dass Bedürfnisse und Eigenverantwortung der Beschäftigten die Unternehmensbeteiligung überhaupt nicht stützen. Und dass die Informationstransparenz noch nicht so ausgeprägt war, um eine Entscheidung für eine Beteiligung mit gutem Gewissen durchzuführen.

Aus dieser Erkenntnis wurde eine alternatives Vorgehen entwickelt, in welchem zuerst der Punkt Entscheidungsverhalten bearbeitet wird, darüber die Eigenverantwortung der Menschen und Informationstransparenz in Richtung der grünen Werteebene bewegt wird. Diese Veränderung kann gezielt durch die Führungskräfte getrieben werden. Erst anschließend wird der Punkt Beteiligung wieder aufgegriffen.

Gleichzeitig wird den Führungskräften dadurch Ihre Relevanz für die Veränderung bewusst und Sie können ebenfalls in kleinen Schritten Ihr Führungsverhalten zielgerichtet anpassen. So fließt die Energie an die richtige Stelle und wird nicht in anstrengenden Change-Management Prozessen und internen Konflikten verbraucht.

Wir laden Sie ein zu reflektieren, ob in Ihrem Unternehmen heute alle Energie tatsächlich in kundenorientierte Veränderung fließt, in die eigene Innovationskraft und die Sicherstellung der unternehmerischen Zukunft. Falls nicht, kann Corporate Social Responsibility mit der Gemeinwohl-Bilanz Ihr strategisches Element der Organisationsentwicklung werden, um dies zu verändern.

Gerne begleiten wir Sie ein Stück auf diesem Weg.


Gemeinwohl Unternehmenstag am 29. Januar im Stadthaus Ulm

Sie möchten etwas mehr über die Gemeinwohl-Ökonomie erfahren? Dann lade ich Sie ganz herzliche zum GWÖ Unternehmensabend der Regionalgruppe Ulm am 29. Januar 2020 im Stadthaus Ulm ein. Lassen Sie sich dort von zwei erfolgreichen Unternehmern begeistern und kommen Sie mit regionalen Fachleuten ins Gespräch.


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Photo by Ben White on Unsplash

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