Skalieren statt Priorisieren

Es gibt wahrscheinlich fast niemanden, der nicht irgendwann in seinem Leben einmal rote oder grüne Klebepunkte in den Händen gehalten hat und diese auf gesammelten Themen verteilen durfte. Ziel der Übung: ein Priorisieren der ausgearbeiteten Elemente.

Im Artikel stelle ich Ihnen Skalierung vor, eine andere Form der Priorisierung. Die Vorgehensweise werde ich am Beispiel der Arbeit mit dem Integralen Kompetenzmodell erläutern. Sie ist auch ein Bestandteil des Integralen KATA Ansatzes, der es Unternehmen ermöglicht Veränderung zur Routine zu machen.

Wir stellen und also zum Einstieg vor, dass Sie und Ihr Team sich anhand des Leitfadens Integrales Kompetenzmodell selbst verortet haben. Anschließend haben Sie eine Vision entwickelt, wohin sich das Team oder das Unternehmen in jedem Aspekt entwickeln soll. (Gibt es keine Vision, dann lassen sich auch die aktuellen Ziele des Unternehmens als Ansatz heranziehen.)

Stellen Sie und Ihr Team sich nun für jeden Aspekt folgende Frage und beantworten Sie diese sehr spontan aus dem Bauch heraus:

Auf einer Skala von -10 bis +10, wie gut unterstützt der Aspekt uns in seiner aktuellen Ausprägung dabei unsere Vision als Ganzes zu erreichen. Dabei steht -10 für das größtmögliche Hindernis, +10 für die größtmögliche Unterstützung der Visionserreichung.

Lassen Sie alle Beteiligten im Stillen Ihre Antworten finden und konsolidieren Sie anschließend die unterschiedlichen Einschätzungen. (Am Ende des Artikels finden Sie die Möglichkeit unsere Arbeitsunterlage dafür herunter zu laden.) In diesem Schritt geht es nicht darum unterschiedliche Einschätzungen zu diskutieren oder eine gemeinsame Meinung zu finden, sondern nur um ein aktuelles Stimmungsbild.

Tipp: Noch schneller geht die Skalierung, wenn Sie z.B: Ligretto Karten einsetzen. Jedes Teammitglied erhält dazu zwei Farben der Karten 1 bis 10. Dabei wird definiert welche Farben den positiven Werte entsprechen, und welche den negativen. Jeder wählt dann geheim die richtige Karte und hält Sie dann nach oben. Oder Sie nutzen unsere Skalierungskarten, welche es für Newsletter-Abonnenten am Ende des Artikel als Download gibt.

Sie erhalten durch die Schwarmintelligenz Ihres Teams drei wertvolle Informationen: Aspekte mit negativer Bewertung als Hindernisse der Veränderung und Aspekte mit positiver Bewertung als mögliche Katalysatoren der Veränderung. Zusätzlich erhalten Sie die Spreizung Ihrer Bewertungen.

Beispiel Skalierung Integrales Modell
In diesem Beispiel sollte der Aspekt Konfliktverhalten mit Priorität bearbeitet werden. Der Aspekt Prozesse ist zu unspezifisch definiert und sollte detailliert werden. Für die Aspekte Bedürfnisse und Motivation empfiehlt sich den negativen Aspekt zuerst zu bearbeiten und anschließend neu zu skalieren. Aus Sicht der individuellen Bewertung ist von einer Korrelation auszugehen.

Eine Spreizung < 4 ist normal und entspricht leichten unterschiedlichen Wahrnehmungen und Bewertungen der Teammitglieder.

Spreizungen zwischen 5 und 7 sollten im Nachgang thematisiert werden, innerhalb der Integralen Kata erfolgt das beispielsweise mit dem Triadendialog. Selbst bei einer ansonsten positiven Bewertung besteht die Wahrscheinlichkeit, dass durch Auflösung der Spreizung Spannungen im Team aufgelöst werden, welche bislang hinter den Aspekten mit negativer Bewertung verborgen liegen.

Bei einer sehr große Spreizung (> 8) empfiehlt sich direkt zu hinterfragen, ob der Aspekt nicht zu umfangreich formuliert ist und die Beteiligten unterschiedliche Ausprägungen davon bewertet haben (zum Beispiel bei Prozesseffizienz einmal aus Sicht Produktionsprozess, das andere mal aus Sicht des IT Informationsprozesses).

Dadurch ergibt sich eine neue Aufgabe: Bewerten der zwei neuen Aspekte im IST, entwickeln einer Aspekt – Vision und anschließende Skalierung wie hier beschrieben. (Wir empfehlen diese Aufgabe in den Arbeitsvorrat zu übernehmen, so dass die Timebox für die aktuelle Skalierung eingehalten wird. Bei eingespielten Teams lässt sich eine Skalierung des Integralen Models in 15 Minuten realisieren.

Aspekte mit positiver Bewertung (oben z.B. Entlohnungsmodell und Entscheidungsverhalten) unterstützen die aktuelle Veränderung. Diese können je nach vorhandenem Zeitbudget im Nachgang auf in zwei unterschiedlichen Fragen weiter bearbeitet werden:

  • Was können wir verändern, um den Aspekt noch stärker zu unterstützen?
  • Was kann die positive Unterstützung gefährden?

Aspekte mit negativer Bewertung stellen die aktuellen Hindernisse in der Visionserreichung dar. Sie gilt es mit Priorität zu bearbeiten. Steht nur ein begrenztes Zeitbudget zur Verfügung entscheidet das Team, z.B: über systemisches Konsensieren, welcher Aspekt zu erst bearbeitet wird. Zwischen zwei Skalierungen sollte immer nur ein Aspekt aktiv bearbeitet werden um mit der nächsten Skalierung die Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen zu erkennen.

Im Rahmen der Integralen Kata haben wir die Idee vorhandene Methoden kontinuierlich um einige Informationen zu erweitern, insbesondere Wirkrichtung innerhalb der Integralen Quadranten, idealerweise sogar Zuordnung zu Entwicklungslinien, damit Team selbst nach der richtigen Methode suchen können.

Gut eingespielte Teams mit entsprechender Vertrauensbasis können sich sehr konkret mit der Sechs Schritte Methode dem negativ skalierten Aspekt nähern.

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Photo by Markus Spiske on Unsplash

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