Auf dem Weg zur Gemeinwohlbilanzierung

In diesem dynamischen Blogartikel fassen wir unsere Erfahrung im Rahmen der Gemeinwohlbilanzierung zusammen. Die ältesten Einträge finden sich dabei unten, der interessierte Leser kann also schnell von oben einsteigen um die neusten Punkte zu erfassen.

16. Mai 2019

Gestern fand der Infoabend zur Peer Group Evaluation statt. Das Interesse war groß, aber konkret und zeitnah sind es eventuell doch keine drei Unternehmen und Vereine, die kurzfristig mit dem Peergroup Prozess starten möchten.

Der vom GWÖ Berater skizzierte Zeitrahmen der Peer Evaluation über mehrere Monate hinweg und eine Bilanzierung Anfang 2020 hat mich dann zusätzlich ernüchtert. Mir ist klar, dass ein Interessent mit mehreren hundert Mitarbeitern oder einer ausgeprägten Supply Chain für die Dokumentation natürlich deutlich länger benötigt, als wir zum aktuellen Zeitpunkt. Auch in der Berührungsgruppe der Mitarbeiter haben wir uns bereit in der Gründungsphase viele Gedanken gemacht.

Dennoch sehe ich bei einer längeren Laufzeit die gleichen Probleme auf uns zukommen, wie in jedem größeren Projekt. Ein Projekt nimmt sich immer so viel Zeit, wie es bekommt. In Summe entsteht am Ende mehr Aufwand, als wenn die Bilanzierung konzentriert in kurzen Zyklen erstellt wird. Und umso länger der Zeitraum ist umso mehr wichtigeres oder unvorhergesehenes kommt dazwischen.

Für uns heißt das nun in Klausur gehen mit der Frage, ob uns ein zügiger und effizienter Prozess wichtiger ist als die wertvolle Erfahrung im Austausch mit der Peergroup. Kostentechnisch läuft es am Ende wahrscheinlich sogar auf das gleiche raus.

2. Mai 2019

Nachdem ich diese Woche projektfrei hatte, habe ich mich auch als Vorbereitung für den ersten Peer Group Termin in der kommenden Woche zwei Tage intensiv mit der Kompaktbilanz beschäftigt. So wie es aussieht finden sich in Ulm tatsächlich fünf Vereine und Unternehmen, welche 2019 die Bilanz erstellen möchten.

Um ein besseres Gefühl zu bekommen, wie umfangreich und tiefgreifend unsere Unterlage wird, habe ich mich von mehreren Bilanzen anderer Beratungen inspirieren lassen. Das war einerseits sehr hilfreich, da gerade allgemeine Themen wie Dienstreisen, Honorarkalkulation oder CO2 Fußabdruck sehr ähnlich sind und damit leicht adaptiert werden können. Andererseits handelte es sich immer um Einzelunternehmer ohne Beschäftigte, was die Interessensgruppe Mitarbeiter sehr überschaubar gemacht hat.

Zwei neue Erkenntnisse habe ich gewonnen. Zum einen, dass die Einzelunternehmer Ihr privates und berufliches Umfeld bei der Bilanzierung kombinieren. Ein direktes Einwirken in Richtung Nachhaltigkeit auf unsere zukünftigen Teamkollegen möchte ich aber aus aktueller Sicht ausschließen – dass scheint mir doch sehr übergriffig zu sein. Da bin ich auf die Diskussionen in der Peer Group und mit den GWÖ Beratern gespannt.

Zum anderen, dass das Thema gesundes Leben (Ernährung, Sport, Achtsamkeit) in den erstellten Bilanzen immer angesprochen wurde. Da habe zumindest ich nicht nur bei der Dokumentation Nachholbedarf. 🙂

Ansonsten ist die von der GWÖ sehr gut vorbereitete Berichtsvorlage mittlerweile von zwanzig auf fast vierzig Seiten angewachsen. Teilweise schon stark ausformuliert, teilweise noch in knappen Stichworten, wenn wir uns im Team über die Inhalte abstimmen müssen.

Ich freue mich auf den Termin kommende Woche, dann gibt es ein Update des Blogs.

9. April 2019

Eine Peer Group Evaluation rückt in den Bereich des Möglichen. Das ist ein Ergebnis des Arbeitstreffens der Fokusgruppe Unternehmen. Neben uns gibt es zumindest drei weitere Unternehmen oder Vereine welche sich in 2019 bilanzieren lassen möchten. Ein erstes Treffen der Unternehmen und die Information wie der Prozess abläuft ist für den 16. Mai geplant. Vielleicht finden sich ja noch ein paar weitere Unternehmen, welche sich anschließen möchten. Die nächste Peer Group gibt es dann wohl erst 2020 wieder in Ulm.

Außerdem beteiligen wir uns an der Planung eines GWÖ Unternehmertages, welchen das Energiezentrum gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Ulm plant. Soviel sei an dieser Stelle verraten, es wird eine spannende Mischung aus Information und Austausch mit Unternehmern, welche den Bilanzierungsschritt bereits gemacht haben und erfolgreiche Unternehmen mit mehreren 100 Mitarbeitern führen.

Losgelöst vom Termin haben wir begonnen uns unsere Gedanken zu unseren Inhalten der Gemeinwohlmatrix zu machen. Aufgrund der anstehenden Bewerbungsgespräche beginnen wir mit B4 Beteiligung und C1 bis C4 zu den Fragen der Mitarbeitenden. Unsere Achillesferse haben wir auch bereits ausgemacht. Im Themenfeld A Lieferant*innen sind wir relativ blank, da kommen viele Fragen und Aufgaben auf uns zu.

25. Februar 2019

Gemeinsam mit den beiden Geschäftsführern eines Innenarchitekturbüros, welches 2018 durch die Peergroup Evaluation gelaufen ist, haben wir ein Arbeitsgespräch zu GWÖ im Integralen Kompetenzmodell vereinbart. Uns geht es darum anhand konkreter Erfahrungen aus der Bilanzierung zu überprüfen, in wie weit das Kompetenzmodell geeignet ist um den Prozess zu unterstützen. Beispielhaft betrachten wir das Feld B4 Eigentum und Mitentscheid.

Dabei wird deutlich, einige Entwicklungslinien lassen sich sehr gut einsetzen (z.B. Werte, Arbeitsatmosphäre, Bedürfnisse, Entscheidungsverhalten,…), andere müssen erweitert (z.B. Stakeholder Beziehung Eigentümer) oder entwickelt werden (z.B. Beteiligungsstruktur, Unternehmerfähigkeiten). Manche Themen lassen sich auch gar nicht oder nur Ebenen übergreifend verorten (z.B. Rechtsform).

Am Ende wird klar, die GWÖ Bilanz ist primär ein Dokumentationstool eines IST Zustandes und der nächsten Schritte. Das Integrale Modell macht dies auch, allerdings auf viel höherer Flug- und Aggregationsebene. Für die Unternehmensentwicklung machen beide Ansätze Sinn, unterstützt das Integrale Modell doch den Erkenntnisgewinn über Zusammenhänge und die Ableitung von Maßnahmen, welche erst später wieder Eingang in die GWÖ Bilanz finden.

Auch bedeutet ein Angebot an Mitarbeiter sich am Unternehmen zu beteiligen nicht automatisch, dass dies es auch tun. Gerade im linken oberen Quadranten (Individuum Innen) gibt es viele Ausprägungen welcher dem entgegen wirken. Es wird für uns spannend sein, wie Bewerber bei uns selbst auf unser Angebot reagieren. Wir gehen davon aus, dass alleine der Hinweis darauf in den Stellenanzeigen schon ein Auslöser sein kann sich nicht, oder gerade eben bei uns zu bewerben.

Uns wurde auch deutlich – es fehlt ein systematischer und strukturierter Prozess, welcher es Unternehmen ermöglicht sich Schrittweise einer großen Vision, wie der GWÖ zu nähern. Im LEAN Umfeld wird oft 1-1-0 (One Piece Flow – 100% Wertschöpfung – 0 Fehler) als visionäres Zielbild gesetzt. 1000 Punkte in der Gemeinwohlbilanz können eine mächtige Vision in Hinblick auf eine unternehmerische Entwicklung sein, die Strukturierung dieser Vision im Integralen Modell helfen die Herausforderung bereits in kleinere Häppchen zu schneiden.

Wir werden auf jeden Fall das Integrale Modell in unserem Prozess integrieren und Entwicklungslinien aus unserer Sicht mit gestalten. Sobald das Ergebnis etwas Struktur hat stellen wir es natürlich anderen interessierten Unternehmen wieder zur Verfügung.

05. Februar 2019

Wir nehmen an der Fokusgruppe Unternehmen des Ulmer Energiefeldes teil. Der direkte Austausch mit anderen Interessierten und den ersten bilanzierenden Unternehmen in Ulm ist uns wichtig. Um zu verstehen, welcher Aufwand im Rahmen der Bilanzierung auf uns zukommt und welche Erfahrungen die Unternehmen in diesem Prozess gemacht haben.

Unsere erste Lernerfahrung, wir haben mit Zertifizierungsprozessen, sei es einer ISO 9001, 14001 oder 27001 oder einem TS 16949 Audit bereits Erfahrung. Der Zeit- und Dokumentationsaufwand schreckt uns daher nicht.

Auch haben wir es als Startup etwas leichter, gestalten wir doch gerade erst die Beziehungen zu Mitarbeitern und Kunden. Das macht es natürlich einfacher als in einem bestehenden Unternehmen, bei welchem gegebenenfalls auch Dinge verändert werden müssen. Letztendlich ist ein Unternehmensentwicklungsprozess die logische Folge der Gemeinwohlbilanzierung, sieht diese doch auch eine kontinuierliche Verbesserung in den einzelnen Feldern der Gemeinwohl Matrix vor. Das sich dahinter eine komplexe Herausforderung versteckt wird schnell klar, wenn man sich die Inhalte der Matrix ansieht.

Und als dritte Lernerfahrung werden uns die unterschiedlichen Bilanzierungswege klar. Klassisch mit einem Berater oder innerhalb einer Peergroup von mindestens drei Unternehmen, bei welchem der Austausch und die gegenseitige Bewertung eine deutlich intensivere Auseinandersetzung mit den Themen ermöglicht. Wir hoffen auf eine Peer Group, absehbar ist das aber noch nicht.

27. November 2018

Nach längerer Überlegung was nach der für 2018 anstehenden klimaneutralen Zertifizierung im kommenden Jahr als weiteres Element unserer nachhaltigen Kulturentwicklung hinzukommen soll, haben wir uns für die Gemeinwohlökonomie entschieden.

Unser erster Ansatz war den Deutschen Nachhaltigkeitskodex zu unterzeichnen. Bei der Bewertung haben wir für uns aber festgestellt, dass uns dieser nicht umfangreich genug in Bezug auf die zu bearbeitenden Themenfelder erscheint. Es geht uns ja nicht nur um Nachhaltigkeit, sondern auch um eine neue Form des Miteinanders im Team, mit Kunden und Lieferanten. Die GWÖ

Gleichzeitig haben wir festgestellt, dass uns nicht alles was Christian Felber in seinem Entwurf der Gemeinwohlökonomie auf den Teller legt auf Anhieb schmeckt. Auch wenn seine Argumentationsketten schlüssig sind, arbeiten Sie doch gegen bekannte und tradierte Muster, welche wir aus der Industrie und Beratung kennen. Die Gemeinwohl Matrix gibt uns aber einen visionären Zielzustand vor, in welchem wir unsere eigene Meinung reflektieren und unser Denken und Handeln anpassen können.

Ein gesellschaftliches Reframing dieser verfestigten Meinungsbilder wird allerdings erst dann ermöglicht, wenn Menschen mit unterschiedlichen Prägungen und Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen diesen Prozess durchlaufen und sich so ein vielfältiges Bild von der Gemeinwohlvision bilden kann.

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